Aktivitäten in 2020

Am 19. Februar zeigten wir in der Hansastr. 48 den Film der “Marktgerechte Mensch”

Ein Film der zeigt, wie Solidarität verloren geht und wir alle Ge-
fahr laufen, in Konkurrenz zueinander zu versinken, während
die Reichen immer reicher werden.

Europa ist im Umbruch. Seit dem neuen Jahrtausend und zuletzt
nach der Finanzkrise wurden neue Weichen gestellt. Die soziale
Marktwirtschaft, gesellschaftliche Solidarsysteme, über Jahrzehnte
erstritten, werden infrage gestellt. Besonders der Arbeitsmarkt und
mit ihm die Menschen verändern sich rasant. Hier setzt der Film
„Der marktgerechte Mensch“ an.

Noch vor 20 Jahren waren in Deutschland knapp zwei Drittel der
Beschäftigten in einem Vollzeitjob mit Sozialversicherungspflicht.
38 % sind es nur noch heute. Aktuell arbeitet bereits knapp die Hälf-
te der Beschäftigten in Unsicherheit! Sie befinden sich in Praktika,
wiederholt befristeter Arbeit, in Werkverträgen und Leiharbeit. So-
gar die vollkommen ungesicherten Jobs der „Crowdworker“ (Inter-
net-Arbeiter) und der „Gig-Economy“ (Auftragsarbeit per App) brei-
ten sich gerade bei jungen Leuten schnell aus. Diese Jobs funktio-
nieren auf Honorarbasis und unterlaufen den Mindestlohn. Sozial-
versichern muss sich jeder selbst wie ein Kleinstunternehmer.

Welche Folgen hat die Arbeitsmarktderegulierung für die Men-
schen?
Wer auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft mitspie-
len will, muss sich von klein auf auf Flexibilität und Wettbewerb ein-
stellen. Wie verändert diese Unbeständigkeit und Konkurrenz uns
Menschen selbst und unsere sozialen Beziehungen zu anderen?
Wie gehen junge Erwachsene mit den veränderten Bedingungen
um? Schafft das vielleicht sogar neue Freiheiten?

Der Film fragt nach, ob der Mensch von Natur aus auf Egoismus und
Konkurrenz gepolt ist, oder ob nicht eher die Fähigkeit zur Zusam-
menarbeit seine Entwicklung gefördert hat. Eine junge Protagonis-
ten-Familie führt uns durch die verschiedenen Ebenen von befriste-
ter Beschäftigung, Leih- und Werkverträgen und nicht zuletzt zu den
Familienproblemen, die aus dieser Situation erwachsen.

Wie konnte es zu dieser Entwicklung kommen? Arbeitskämpfe
haben seit der Industrialisierung Standards des Arbeitsrechts er-
stritten, die für die soziale Marktwirtschaft grundlegend waren. Wel-
che politischen Entscheidungen waren bestimmend, als seit den
1980er Jahren zuerst in den USA und dann auch in Großbritannien
der schlanke Staat, die Beseitigung aller Schranken des Marktes
und der entgrenzte globale Wettbewerb propagiert wurden? In
Deutschland etablierte sich diese Politik erstmals mit der Rot-Grü-
nen Regierung Schröder/Fischer. Mit einer Senkung der Unterneh-
menssteuern und der Deregulierung des Arbeitsmarktes schaffte
sie es, deutschen Konzernen nachhaltig Kostenvorteile zu verschaf-
fen. Die Realeinkommen sanken allerdings infolge dessen zwischen
den Jahren 2000 und 2010 im Mittel um 4,2 Prozent, im unteren
Lohnbereich sogar um bis zu 23,1 Prozent.

„Wir haben geliefert“ sagen die verantwortlichen Politiker in Grie-
chenland, Italien Spanien und Portugal. Auch sie haben nach der
Finanzkrise gezwungenermaßen den Arbeitsmarkt dereguliert. Die
Arbeitslosigkeit ist dadurch nirgendwo gesunken. Aber fast alle
Menschen in Europa verlieren an sozialer Sicherheit und werden in
einen Konkurrenzkampf geschickt, der zunehmend alle Lebensbe-
reiche umfasst und viele ins Abseits drängt.

Der Film „Der marktgerechte Mensch“ diskutiert schließlich ver-
schiedene Versuche, dieser Entwicklung entgegenzutreten, sie so-
zial abzufedern und ihr auch individuell zu entgehen. Es ist ein Film,
der Verständnis schaffen will und Mut macht, sich einzumischen.