Dokumentarfilm des britischen Filmemachers Louis Theroux
Eine Produktion der BBC, April 2025, 62 Minuten
Donnerstag, den 24.07.2025 um 19.30 Uhr in den Räumen der Arabischen Gesellschaft, Dietrichstraße 2, Kiel
Veranstalter: Griechenland-Soli-Komitee Kiel, Students for Palestine Kiel

Verstörende Einblicke: israelische Siedler im Westjordanland
Vierzehn Jahre nach seinem ersten Besuch und seinem Film „Die Ultrazionisten“ von 2011 trifft Louis Theroux in seinem aktuellen Dokumentarfilm einige der stetig wachsenden Gemeinschaft religiös-nationalistischer Israelis, die sich im Westjordanland niedergelassen haben. Ihre Siedlungen sind nach internationalem Recht illegal, doch sie werden von der Armee, der Polizei und der israelischen Regierung geschützt.
Seit dem von der Hamas angeführten Überfall am 7. Oktober 2023, bei denen schätzungsweise 1.200 Israelis getötet und über 250 Geiseln genommen wurden, finden nicht nur in Gaza laufend Kriegsverbrechen und Genozid statt. Auch im Westjordanland und in Ostjerusalem herrscht brutale Gewalt seitens des israelischen Regimes, der Armee und der Siedler. Zahlreiche neue illegale Siedlungen entstehen und werden durch eine Kampagne der Gewalt, der Zerstörung und Vertreibung der lokalen palästinensischen Gemeinschaften durchgesetzt.
Was einst eine Randbewegung war, hat nun Unterstützung auf höchster Regierungsebene gewonnen, wobei ihre Anhänger – z. B. mit dem Faschisten Itamar Ben-Gwir – Schlüsselpositionen im Kabinett innehaben und in der Lage sind, nicht nur die Rolle des Militärs zu beeinflussen, sondern auch die Zukunft des Konflikts.
Louis Theroux begibt sich in das Westjordanland, trifft prominente Siedler:innen – darunter die „Patin“ der Bewegung, die Fanatikerin Daniella Weiss – und reist durch das Gebiet, um die Folgen ihrer Aktivitäten zu verstehen und zu dokumentieren. Louis trifft auch Palästinenser:innen, deren Leben durch den Einzug der Siedler in ihre Gemeinden erheblich beeinträchtigt wurde. Während sich die Welt auf den Gazastreifen konzentriert, wo seit dem 7. Oktober schätzungsweise mindestens 60 000 Palästinenser von den israelischen Streitkräften ermordet wurden, zeigt der Film, dass die Siedler:innen bereits Pläne schmieden, auch in dieses Gebiet zu ziehen.
Ein verstörender Einblick in den Fanatismus dieser nationalistischen und rassistischen Siedlerbewegung.
Kurzer Exkurs zur Geschichte des Westjordanlands
Seit Israels Sieg im Sechstagekrieg im Jahr 1967 haben sich jüdische Siedler:innen in den besetzten Gebieten des Westjordanlandes angesiedelt. Vor 1967 lebten dort keine Juden/Jüdinnen. Heute ist das Gebiet von hunderttausenden jüdischen Siedlern besetzt, die fast so unterschiedlich in Ansichten, Herkunft, und sozioökonomischem Status sind wie die restliche israelische Gesellschaft. Viele Siedler kommen aus Europa, den USA oder Kanada.
Kurzer Exkurs zur Geschichte des Westjordanlands
Geschichte der israelischen Siedlungen im Westjordanland ist ein äußerst wechselhafter Prozess. Während die frühen Siedler:innen sich noch gegen den erklärten Widerstand der israelischen Regierung aus religiöser Überzeugung dort niederließen, gewannen die Siedler über die Jahrzehnte hinweg zunehmend an Bedeutung und politischem Einfluss. Für ihre Unterstützung der Siedlerbewegung wird die israelische Regierung international heftig kritisiert. Die Siedlungen gelten vielen als Haupthindernis im Friedensprozess.
Der Internationale Gerichtshof der Vereinten Nationen (IGH) hat in einem Gutachten Mitte 2024 festgestellt, was palästinensische, israelische und internationale Menschenrechtsorganisationen immer wieder betont haben: Israels Besatzung palästinensischen Landes – Westjordanland, Ost-Jerusalem und Gaza – ist illegal und muss sofort beendet werden. Die Besatzung zielt der Einschätzung des Gerichts zufolge auf permanente Kontrolle und kommt somit einer Annexion gleich.
Auch Israels Siedlungspolitik, ein Kernelement der Besatzung, ist demnach illegal. Israels Praktiken in Palästina konstituieren in den Augen des Gerichts Apartheid – genauer: einen Verstoß der Internationalen UN-Antirassismuskonvention, die Rassentrennung und Apartheid verbietet. Der IGH hat die Staaten in die Pflicht genommen, den über fünfzig Jahren Unterdrückung, Landraub und Apartheid in Palästina die Unterstützung zu entziehen und zu beenden.
