2018

Aktivitäten des Solikomitees 2018


Lesvos: The Beautiful Prison (Regie: Laura Heinig)

Dokumentarfilm und Gespräch

Die Regisseurin Laura Heinig wird an der Veranstaltung teilnehmen.

Laura Heinig fuhr im Frühling 2017 nach Lesvos um dort Menschen auf der Flucht zu unterstützen und durch den entstandenen Dokumentarfilm davon erzählen zu können.

2015 gründete sie mit anderen das Solidaritätskollektiv „justPeople“ in den Niederlanden. Laura Heinig ist Anthropologin und Kulturwissenschaftlerin und hat mit diesem Film ihren ersten Dokumentarfilm gemacht. Dieser ist komplett unabhängig entstanden und finanziert durch Fördermittel des Alert Youth Funds und Crowdfunding.

Lesvos: The Beautiful Prison (Regie: Laura Heinig)

Dokumentarfilm und Gespräch

(mit deutschen Untertiteln)

Lesbos wurde zum Inbegriff der sogenannten Flüchtlingskrise in der Ägäis. Im Jahr 2015 erreichten hier tausende Geflüchtete nach gefährlicher Überfahrt in Schlauchboten das Ufer. Der griechische Staat und die Verantwortlichen in der Europäischen Union zeigten hier nicht nur ihre Unfähigkeit einer solchen Situation gerecht zu werden, mehr noch offenbarten sie ihren Unwillen den „illegal“ geflüchteten humanitären Beistand zu leisten. Stattdessen begannen die Einwohner der Insel sich zu engagieren und mehr und mehr reisten aus allen Teilen der Welt Freiwillige an, um alternative Strukturen für und mit den Geflüchteten aufzubauen.

Der Dokumentarfilm folgt fünf Frauen im Jahr 2017 und erzählt so von dieser einzigartigen Situation aus verschiedenen Perspektiven – Geflüchtete, Einheimische und freiwillige Helferinnen erzählen, was sie erlebt haben. Von katastrophalen Bedingungen im Camp Moria, aber auch vom Leben außerhalb des Camps. Hier schaffen Einheimische, Neuankömmlinge und AktivistInnen in Gemeinschaftsküchen, besetzten Gebäuden und auf der Straße gemeinsam Raum für Freiheit, Würde und Autonomie. Die Erfahrung der Solidarität bringt ein Geben und Nehmen auf allen Seiten, verändert und bereichert.

Nach wie vor dürfen die meisten der Geflüchteten die Insel nicht verlassen, seit nun zwei Jahren leben sie ein perspektivloses Leben unter unmenschlichen Bedingungen. Aber auch die alternativen Strukturen wachsen weiter und nach wie vor engagieren sich viele Freiwillige auf Lesbos – auch wenn ihre Arbeit durch die zunehmende staatliche Repression immer schwieriger wird.

In der Diskussion im Anschluss, wollen wir uns mit euch und mit Laura Heinig über die aktuelle Situation zu diesem Thema austauschen.


Recht auf Wohnen erkämpfen! Gegen Banken- und Immobilienkapital !

Am 03. Mai 2018 führten wir eine Veranstaltung zum Thema Recht auf Wohnen durch.

Aktivist*innen aus Griechenland, Spanien und Deutschland berichteten

Seit der Bankenkrise 2008 verschärfte sich vor allem in Griechenland und in Spanien die Wohnsituation für viele Menschen. Im Gegensatz zu Deutschland wohnen dort ca. 80 % der Menschen in Eigentumswohnungen. Diese Wohnungen wurden ihnen per Kredit von den Banken fast aufgedrängt. Nach der Bankenrettung durch Steuergelder und staatliche Garantien wurden die wirtschaftlichen Bedingungen für sehr viele Menschen prekär, sie verloren ihre Arbeit und konnten die Kredite für ihre Wohnungen nicht zurückzahlen.

In Deutschland wurde die Situation aus anderen Gründen immer schlimmer. Während in Griechenland und Spanien die Sparvermögen durch Arbeitslosigkeit und Wohnungsverlust (die Kredite müssen nach der Zwangsräumung trotzdem weiter bezahlt werden) weitestgehend geplündert wurden und bezahlte Vollzeitjobs nur noch 400-700€ monatlich bringen bei Preisen wie bei uns, hat die Niedrigzinspolitik in Europa dazu geführt, dass fast unbesehen Immobilien erworben wurden, was zu einem dramatischen Mietenanstieg führte.

In allen drei genannten Ländern kommt es in den vergangenen Jahren immer mehr zu Zwangsräumungen. In allen Ländern wehren sich die Menschen dagegen auf

unterschiedliche Art und Weise. Die wohl am längsten und am besten organisierte Bewegung ist die PAH Plattform der von Hypotheken Betroffenen) in Spanien. In Deutschland sind es meist linke Mieterzusammenschlüsse und deren Organisationen, die aktiven Widerstand leisten. Und auch in Griechenland formiert sich seit einiger Zeit der Widerstand gegen die Zwangsräumungen.

Unsere Veranstaltung am 3. Mai 2018 soll die unterschiedlichen Bedingungen der Kämpfe, aber auch deren Gemeinsamkeiten darstellen. Außerdem erhoffen wir uns einen internationalen Austausch, durch den alle von allen lernen können.

Film zur PAH: https://www.youtube.com/watch?v=erTvQ1KSYis

und ca. 2 Wochen später zeigen wir den Film

Sieben Tage bei der PAH

mit deutschen Untertiteln

Am 16. Mai 2018 um 20:00 Uhr

im Kino der Hansastraße 48

 Dokumentarfilm über die neue Massenbewegung gegen Zwangsräumungen in Spanien

Das Forum der von Hypotheken Betroffenen (PAH) hat sich in den letzten Jahren zu einer neuen Massenorganisation entwickelt und ist zugleich eine der wichtigsten Organisationsstrukturen der gesellschaftlichen Mobilisierung gegen die Krise in Spanien.

Die PAH ist ein Netzwerk wechselseitige Hilfe, mit einer breiten gesellschaftlichen Verankerung, weit über das linke Milieu hinaus, das viele zuvor nicht politisch Aktive anzieht. Nicht nur mit der Verhinderung von Zwangsräumungen macht die PAH von sich reden – sie haben vielfältige politische Aktionen entwickelt: Bankenbesetzungen, Druckkampagnen, Volksbegehren, (Wieder)Aneignung leerstehender Gebäude etc.

Und man beschränkt sich nicht auf wechselseitige Hilfe, sondern versteht sich selbst als Ort der politischen Aktion, der Organisation und Schulung, aber auch der Verknüpfung mit anderen Gruppen. Die Filmemacher, selbst aktiv in der PAH, begleiteten die PAH eine Woche lang bei ihren Aktivitäten.

Sieben Tage bei der PAH Barcelona Regie: Pau Faus Drehbuch: Pau Faus y Silvia González Laá Ton: Xavi Andreu Übersetzung: Raul Zelik Untertitel: Carlos Aparicio

Bei dieser Veranstaltung wurden wir von der Rosa-Luxemburg Stiftung unterstützt.


Seit dem 9. April versucht die französische Polizei das einstigen Flughafengeländes in Notre-Dame-des-Landes bei Nantes zu räumen. Tausende Polizisten der französischen Gendarmerie sollen im Auftrag der regierenden Kapitalisten der Landbesetzung namens ZAD (Zone A Défendre) ein Ende setzen. Die Polizei geht seit über einer Woche mit äußerster Härte gegen die LandbesetzerInnen vor. Es gibt zahlreiche Verletzte und auch Schwerverletzte.

Die ZAD ist seit 10 Jahren dauerhaft besetzt. Im Zuge der Proteste gegen ein monströses Flughafenprojekt ist in Notre-Dame-des-Landes ein selbstverwaltetes autonomes Gebiet entstanden. Die BesetzerInnen versuchen dort eine solidarische neue Gesellschaft jenseits der kapitalistischen Verwertungslogik und der Inwertsetzung aller Lebensäußerungen nach neoliberalen Vorstellungen zu leben. Das war den Herrschenden schon immer ein Dorn im Auge. Anfang des Jahres verzichtete die französische Regierung zwar endgültig auf den seit vierzig Jahren geplanten Bau des Großflughafens, kündigte aber gleichzeitig an, die LandbesetzerInnen zu räumen.

Einmal mehr soll kollektives Leben und lebendiger Widerstand mit militärischer Gewalt beendet werden. Die Herrschenden und ihre brutale Schergen packen auch hier ihre gesamte Repressionstechnik aus, verschießen massenhaft Tränengas, Blendgranaten und Gummigeschosse, reißen Häuser und Hütten mit Räumpanzern und schwerem Gerät ein, zerstören Gärten und landwirtschaftliche Flächen. Aber die BesetzerInnen, FreundInnen, UnterstützerInnen, AnwohnerInnen und BäuerInnen aus der Region Nantes und in anderen Regionen Frankreichs leisten erbittert Widerstand! Militante Aktionen, Barrikaden, Sitzblockaden, Besetzungen und Demonstrationen im ganzen Land: Die AktivistInnen der ZAD schauen der Zerstörung ihrer Lebensräume nicht tatenlos zu. Sie stellen sich der kapitalistischen Repression und dem autoritären Staat entschlossen entgegen und kämpfen gemeinsam für ein selbstbestimmtes Leben!

Wir, das Kieler Solidaritätskomitee für Griechenland, solidarisieren uns mit den kämpfenden FreundInnen aus der ZAD und fordern den sofortigen Stopp des brutalen Polizeiüberfalls! Haut ab!

Hoch die internationale Solidarität!

 

Infos:
https://de.indymedia.org/node/19887
http://zad.nadir.org/
https://twitter.com/zad_nddl?lang=en
https://barrikade.info/Bilanz-zum-1-Tag-der-versuchten-Raumung-der-ZAD-1009


Am 14. Februar zeigten wir im Kino der Hansastr. 48 erneut den Film:

Wer Rettet Wen?

Die Krise als Geschäftsmodell auf Kosten von Demokratie und sozialer Sicherheit

Seit acht Jahren werden Banken und Länder gerettet. Politiker schaffen immer neue Rettungsfonds, während mitten in Europa Menschen wieder für Hungerlöhne arbeiten. Es wird gerettet, nur keine Rettung ist in Sicht.

Retten wir die Griechen, Spanier, Italiener?

Griechenland hat „Hilfspakete“ über 240 Mrd. € erhalten. Gerettet wurden damit aber nicht die Griechen. Seither sind Investitionen um 50 Prozent zurückgegangen. 50% der Jugendlichen sind arbeitslos. Apotheken geben Medikamente nur noch gegen Bargeld aus. Gerettet wurden die privaten Banken, Versicherungen und Hedgefonds. Praktisch nur bei Ihnen war Griechenland bis 2009 verschuldet. Mittlerweile sind diese Schulden auf uns übertragen, auf die europäische Steuerzahler! Wir haben dadurch etwa 300 Mrd. € Schulden mehr. Für große Banken ist die Finanzkrise dagegen ein Geschäftsmodell! Selbst der konservative Ökonom Hans-Werner Sinn hat ausgerechnet, dass diese Rettungsschirme nur im Interesse der 5% der Reichsten der Welt sind, während wir um unsere Altersversorgung bangen müssen.

Wer versteht, kann sich wehren

Viele Menschen ahnen, dass da etwas schief läuft. Sie fühlen sich ausgeliefert, weil sie das Spiel der Milliarden nicht verstehen. Der Film „Wer rettet Wen“ wird helfen, die eigenen Interessen zu erkennen, die Strukturen der Finanzmärkte zu durchschauen.

Ein Film von unten

Ein Filmprojekt, das Mächtigen kritisch auf die Finger schaut, kann nur unabhängig finanziert werden.  Die Premiere fand durch Kleinveranstalter, Privatpersonen und politische Gruppen in 150 Städten gleichzeitig am 11. 02. 2015 um 20 Uhr statt. Das Griechenland-Solikomitee Kiel war Teil dieses Konzepts eines „Film von unten“.

Heute drei Jahre später hat der Film nichts von seiner Aktualität verloren. Daher haben wir den Film am 14. Februar 2018 um 20:00 Uhr erneut im Kino der Hansastr. 48 gezeigt.